Drei digitale Lehren aus 2013

Werden Journalisten bald durch News-Algorithmen ersetzt? Schauen künftig alle Fernsehen über Youtube und Streamingportale wie Netflix? Und wer liest in 20 Jahren eigentlich noch das gedruckte Feuilleton der FAZ? Natürlich, das sind berechtigte Fragen. Aber bei allen digitalen Umwälzungen in der Medienbranche: Oft sind es auch die eher leisen, schleichenden Entwicklungen, die Hinweise darauf geben, wie Journalismus zukunftsfähig bleiben kann. Zwischen den Jahren habe ich mal versucht ein paar von ihnen in drei zentralen Thesen festzuhalten. Rückblick 2013 feat. Ausblick 2014:

 

1. Wir sind nicht alleine da draußen
Spätestens in diesem Jahr dürfte es auch bei den letzten Zweiflern geklingelt haben: Mit der alten Medienordnung ist es vorbei! Die großen, klassischen Player der Medienbranche bestimmen nicht mehr wie selbstverständlich den Nachrichten-Takt. Ganz im Gegenteil: Je nach (junger) Zielgruppe sind sie bereits vom Massen- zum Nischenmedium abgerutscht. Altehrwürdige Zeitungsmarken treten heute gegen neue Aggregatoren wie Buzzfeed oder Portale wie die Huffington Post an. Große TV-Sender konkurrieren mit boomenden TV-Streamingdiensten wie Netflix oder Youtube-Channeln, deren Macher wie Stars von ihren Nutzern gefeiert werden. Die Trümpfe für Relevanz und Aufmerksamkeit werden den alten Playern der Medienbranche nach und nach aus den Händen gerissen und neu gemischt. Einziger Vorteil, der ihnen noch bleibt: Sie gehen mit einem Vorsprung an Reputation und Ressourcen ins Rennen. Doch wie diesen in der digitalen Medienwelt ausspielen?
2. Nachrichten-Events statt Nachrichtenflut
Das Medienjahr 2013 hat gezeigt: Immer entscheidender für das Überleben einer journalistischen Marke ist die Frage, ob ihre Macher das Internet nicht bloß theoretisch, sondern ganz praktisch als einen vernetzten Raum verstehen – und nicht, wie es Dirk von Gehlen in seinem Blog bezeichnet, als „lineare Rampe“, über die sie bloß ihre Inhalte abwerfen. Und dann wollen diese undankbaren Nutzer auch noch alles umsonst, umsonst, umsonst!
Anstatt darüber zu klagen, dürfte es zielführender sein zu fragen: Wen will ich eigentlich mit meinen Inhalten im Netz erreichen? Und wie schaffe ich es, möglichst lange und ergiebig im Dialog zu bleiben? Abseits von ulkigen Katzenvideos und Boulevard-Getöse wird es darauf ankommen, wie sich journalistische Inhalte von anderen Angeboten unterscheiden. Was zählt: das, was hängen bleibt, der exklusive Mehrwert, den eine Medienmarke bietet. Statt seine Nutzer tagtäglich mit unzähligen Nachrichten im Einheitsbrei zu überfluten, werden im kommenden Medienjahr hoffentlich wieder mehr Redaktionen durch eigene Recherchen und spannende Nachrichten-Events auf ein Thema aufmerksam machen – wie es Ende 2013 beispielsweise dem NDR und der Süddeutschen Zeitung mit dem Gemeinschaftsprojekt “Geheimer Krieg” gelungen ist. Die multimediale Darstellung von Informationen entwickelt sich dabei zunehmend zum Standard, aber noch entscheidender ist eine eigentlich altbekannte Tugend, die lediglich eines kleinen Updates bedarf.
3. Es kommt (wieder) auf die Geschichte an
Mittlerweile trennscharfe Begriffe wie „multimedial“, „crossmedial“ oder auch „transmedial“ werden noch immer gerne in einen Topf geworfen, um einfach mal alle Spielereien an einem Thema auszuprobieren, die so möglich sind im Netz. Was dabei oft vergessen wird: die eigentliche Geschichte. Keine Frage, das Experimentieren mit neuen Darstellungsformen und Tools ist wichtig und gut. Aber für das Jahr 2014 dürfte wohl vielerorts der Slogan gelten: weniger ist mehr. Weniger Spielerei an der Oberfläche, mehr durchdachtes Multimedia-Storytelling, das die unterschiedlichen Medienarten clever miteinander verknüpft und in die Tiefe einer Nachricht geht (hier eine Liste von 25 herausragenden Multimedia-Beispielen). Wenn das dann noch auf Augenhöhe und in einem ernstgemeinten Austausch mit den Nutzern geschieht: Frohes Neues! So lassen sich auch jüngere, teils schon abgewanderte Zielgruppen wieder für journalistische Inhalte begeistern.
[Foto oben: Ich-und-Du / pixelio.de]